Von 2006-2010 habe ich in Großbritannien gelebt – 1 Jahr in Dundee in Schottland, 3 Jahre London für meinen PhD. Aber ganz ehrlich, daran dass mich die Menschen täglich fragen ob mein Doktortitel echt ist daran habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. Clinical Sciences Research Haematology Oncology, Imperial College London… Wer das Ding über Gentechnik & DLBCL lesen will, KLICKE HIER.
…, aber darum geht es hier heute gar nicht.
Es geht nämlich um Notting Hill aber ohne Hugh Grant & Julia Roberts… Mit Hugh Grant, James Nesbitt und viel zu viel Champagner habe ich einige Events auf dem Golfplatz verbracht aber das ist eine andere Geschichte!
Also ich meine NICHT den FILM Notting Hill sondern NOTTING HILL CARNIVAL! Tausende Menschen, glitzernde Brazilian Booties, Trommeln, Bässe, der Geruch von gegrilltem Fleisch & billigem Rum.
Leider finde ich die Beweisfotos nicht mehr, aber zur Ablenkung das Bild mit Hugh Grant & James Nesbitt (Bofur aus „Der Hobbit – eine unerwartete Reise“) vom Charity-Golfturnier das absolut nichts mit der Geschichte zu tun hat *LOL* sorry (oder gern geschehen?).
Zurück zum Carnival: Ich war also ohne Hugh Grant, aber mit meinem damaligen Freund, unterwegs durch dieses laute, bunte, schwitzende Chaos – in der naiven Hoffnung, wir könnten „mal kurz gucken und dann entspannt wieder weg“.
Aber wir kamen einfach nicht mehr WEG. Unsere Ortskenntnis war völlig nutzlos, denn die Polizei hatte viele Straßen und U-Bahn-Eingänge abgesperrt. Stattdessen wurden wir wie zwei Sardinen in Glitzer durch die Straßen geschoben, gedrückt, gequetscht.
ABER plötzlich erinnerte ich mich an mein neues Lebensmotto – inspiriert von einem schimmeligen NHS-Kellerraum, in dem ich vor kurzem zum ersten Mal Yoga ausprobiert hatte: GO WITH THE FLOW!
Ich nahm wahr, dass die Menschenmenge sich doch sehr deutlich primär in eine BESTIMMTE Richtung bewegte. Meine Intuition sagte mir SEHR DEUTLICH wir sollten uns einfach mit der Bewegung der Menschenmasse treiben lassen! Da würden wir dann sicherlich zur nächsten geöffneten Tube Station gelangen um nach Hause nach Shepherds Bush fahren zu können.
Ich war felsenfest davon überzeugt, dass meine Intuition uns führen würde… bis zu dem Zeitpunkt 20 min später zu dem uns der FLUSS der Menschenmasse am Ziel ausspuckte…
Aber das ZIEL der Masse war nicht der Eingang zur Tube Station… sondern ein Halbkreises hellblauer Dixi-Klos, eingehüllt in eine warme, aufdringliche Wolke aus Uringeruch und Erbrochenem.
Die Menschenmasse denen meine Intuition mir riet zu folgen die wollte nicht nach Hause… die musste bloß pinkeln…
In diesem Moment habe ich gelernt wie frustrierend es ist wenn man etwas anderes bekommt als das was man erwartet. Und wie wichtig mir Klarheit und Ehrlichkeit ist.
Und vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum hier neben all den Artikeln über Beziehungsdynamiken und Beziehungsskills immer wieder persönliche Geschichten von mir auftauchen werden.
Denn vieles von dem, wie ich heute auf Menschen, Beziehungen und das Leben schaue, ist nicht in einem Lehrbuch entstanden. Manches entstand während meines PhDs in London. Und manches offenbar vor einem Halbkreis hellblauer Dixi-Klos in Notting Hill.
PURA VIDA
Jenny



