Darf es auch etwas mehr sein?

Klar, ist man froh wenn man das Studium endlich rum hat und das Geld lockt, aber wer noch nicht komplett die Nase voll hat von der Uni und sich noch weiter qualifizieren und spezialisieren will, der sucht sich eventuell noch eine Doktoranden- oder PhD Stelle! PhD Stellen in UK sind meiner Meinung nach einfacher zu bekommen als in Deutschland mit weitaus weniger geforderten Qualifikationen als in Deutschland. Also Abschlusszeugnis von der Uni raus und los geht es.

Wann sollte ich mit der Suche anfangen?

Die meisten PhD Programme beginnen Ende September/Anfang Oktober eines Jahres, so dass man bequem nach dem ersten Uni-Abschluss weitermachen kann. Schiebt man aber noch einen britischen Master dazwischen bekommt man da ziemliche Zeitprobleme, da diese Kurse meist ein volles Jahr gehen und sich das Ende des Masters oft mit dem Anfang des PhDs überschneiden kann.

Daher gibt es auch einige PhD Programme die im Frühjahr starten. Für die Programme die im Herbst starten würde ich empfehlen ein Jahr vorher damit anzufangen nach Stellenangeboten Ausschau zu halten.

 

PhD aber Wo?

Mache Dir Gedanken darüber wo du deinen PhD machen möchtest, vielleicht reizt dich eine spezielle Stadt, Universität oder Region. Sollte Dir die Region relativ egal sein, dann lohnt sich vielleicht der Blick in ein Ranking der Universitäten in Grossbritannien oder weltweit. Dabei sollte man beachten worauf sich das Ranking bezieht, eine bestimmte Fachrichtung, Forschung, Lehre, Infrastruktur? Was ist Dir wichtig?

LINKS

Ich habe mich in meiner Suche sehr stark auf Greater London eingeschränkt, nicht wegen der Stadt sondern der Liebe… aber das ist eine andere Geschichte. Die Region hat ja auch wahnsinnig viel zu bieten, Cambridge und Oxford sind ‘gleich um die Ecke’ und wer mitten rein will, der kommt ans Imperial College nach London, vielleicht läuft man sich hier mal über den Weg ? Es gibt wahnsinnig viele Unis in London, neben dem Imperial gibt es da noch das Kings College, University College London, University of London, Queen Mary University of London… usw. Neben den Unis gibt es noch eine Menge Forschungsinstitute die an die unterschiedlichen Unis gekoppelt sind, da waere das London Research Institut, Cancer Research UK, Welcome Trust, Medical Research Council and many more (hauptsächlich interessant für die Mediziner und Naturwissenschaftler).

How to find a PhD?

Go to FindAPhD.com! Ja so einfach geht das! Dieses Onlineportal ist die größte Sammlung an PhD Stellen für UK die mir während meiner Suche nach einer Doktorandenstelle in Grossbritannien untergekommen ist. Der Schwerpunkt liegt aber schon sehr stark auf den Naturwissenschaften und der Medizin. Sehr zu empfehlen ist auch die ‘advanced search’ dieser Seite. Hier findet man Projektausschreibungen und oft auch Links zu den jeweiligen Unis oder Instituten wo man vielleicht noch versteckte Stellenausschreibungen finden kann.

Bewerbungen

Die Idee von der Standardbewerbung läuft einfach nicht! Es reicht nicht einen CV und ein Anschreiben zu produzieren und die Namen zu ändern. Bewerbungen werden oft in verschiedenen Formaten gefordert, viele verlaufen online, das hat den Vorteil dass man die Liste der benötigten Texte und Dokumente abarbeiten und immer wieder zwischen speichern kann, gleichzeitig nimmt es einem jedoch die Freiheit ein wenig Kreativität einfliessen zu lassen. In direkte Bewerbungen, die heute meist per Email gehandhabt werden, kann man eine winzige persönliche Note einfliessen lassen. Im Folgenden habe ich ein paar Tipps zusammengestellt die mir beim Bewerben geholfen haben.

(1) Mache Dir Gedanken darüber an wen sich die Bewerbung richtet, ist es seine Sekretärin bzw. zentrale Vorsortierungsstelle. Die meisten Bewerbungen werden vorsortiert und an dieser Stelle fliegt die eigene Bewerbung beim kleinsten Fehler in die Tonne. Um so wichtiger ist es, sich peinlich genau an das geforderte Format zu halten (Art der Dokumente). Sollten einzelne Dokumente gewünscht werden und das Format ist nicht weiter definiert würde ich immer zum einem Pdf raten, das lässt sich gut drucken und konserviert deine Formatierung.

Wenn du versuchst dich im “Personal Statement” zu verkaufen dann bringe Beweise. Du bist teamfähig? Wenn du nicht hinzufügst warum du das von dir behauptest hast du den Punkt an dieser Stelle verloren. Das gilt für JEDE deiner positiven Eigenschaften!

Eine klare Namensgebung der Dokumente trägt ebenfalls zur Freude jeder Sekretärin bei, Dateinamen wie “CV.doc” oder “Personal Statement.doc” erschweren die Archivierung der Bewerbungen, besser ist “Nachname-CV.doc”. Da denkt jemand mit! Denke auch daran Seiten zu numerieren und zu versuchen, dass der eigene Name auf jeder Seite auftaucht (evtl. Kopf oder Fusszeile?). Man stelle sich vor der komplette lose Blätterstapel mit den Bewerbungen segelt vom Schreibtisch.

(2) Generell gesprochen würde ich sagen, dass eine Bewerbung die direkt an den Supervisor gerichtet wird höhere Erfolgschancen mit sich bringt. Hier würde ich auch empfehlen ein bisschen mutig zu sein. Meiner Erfahrung nach wirkt eine klitzekleine Abweichung von den starren Formulierungen Wunder. Ein Beispiel: Warum nicht “I would be pleased to introduce myself personally to you in Edinburgh” anstelle von “I am looking forward to hearing from you…”, nicht nur dass ich die erste Formulierung wesentlich lockerer finde, sie ist auch weitaus positiver und sie lässt ein gesundes Selbstbewusstsein erahnen.

(3) Egal wo und bei wem ihr euch bewerbt, ob per Onlinesystem, zentraler Sammelstelle oder beim Supervisor selbst. IMMER sollte mindestens eine wohlüberlegte Frage an den Supervisor gerichtet werden! Sollte die Bewerbung nicht direkt an den Supervisor gehen, dann finde seine Emailadresse heraus, deute vorsichtig darauf hin dass du dich für sein Projekt beworben hast, oder im Begriff bist dich zu bewerben und frag etwas sinnvolles. Mit sinnvoll meine ich, nichts dummes oberflächliches sondern etwas das durchblicken lässt dass du dich mit der Materie beschäftigt hast. JA ICH WEISS das ist verdammt viel Arbeit, aber da auf eine gesponserte PhD Stelle nicht selten 800 Bewerbungen kommen, kann man sich halbherzige Bewerbungen schenken. Man sollte auch darauf achten dass die Beantwortung der Frage für den Supervisor nicht zu lange dauert, besser ist vermutlich sogar nach einer weiterführenden Publikation zu fragen. Das zeigt Interesse und ist schnell zu beantworten. Ist die Frage aber zu leicht oder banal geht das ganze natürlich nach hinten los.

(4) Bei Bewerbungen die sich direkt an den Supervisor richten sollte man versuchen mindestens eine Woche vor Bewerbungsschluss alles eingereicht zu haben, also eher so früh wie möglich. Bei Bewerbungen die an Sammelstellen gesendet werden ist das vermutlich auch ein Pluspunkt, bei Onlineverfahren halte ich es für weniger wichtig. Der Grund dafür ist dass man zu den ersten Bewerbern gehört, da hat die Person die die Bewerbung liest noch Zeit und Nerven, ausserdem signalisiert es besonderes Interesse an der Stelle und auch den Pluspunkt sollte man sich sichern.

Bewerbungsgespraeche

Wenn man erst einmal zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde ist das schon wahnsinnig gut, ich schätze die Konkurrenz ist dann schon von bis zu 800 auf 10 oder noch weniger gesunken, 5 halte ich bei individuellen Projekten auch für eine realistische Zahl. Ganz wichtig ist es sich für das Bewerbungsgespräch zu bedanken und natürlich schnellstmöglich zuzusagen. Gute Vorbereitung ist natürlich unersetzlich, also alles lesen was dir zwischen die Finger kommt. Antworten auf die Standardfragen ausarbeiten ‘Warum bewirbst du dich bei uns?’, ‘Warum sollten wir dich einstellen?’, ‘Was sind deine Stärken und Schwächen?’ Achtung, bei Schwächen lieber eine Stärke in eine Schwäche umwandeln als sich zu entblößen, wie zum Beispiel Perfektionismus. ‘Wo siehst du dich in 10 Jahren?’, ‘Was bedeutet es für dich an dieser Eliteuni aufgenommen zu werden, welche Schwierigkeiten könnten dabei auftreten?’ (Ja viele Fragen sind auch ziemlich gemein!), ‘Worauf in deinem Leben bist du besonders stolz?’ ‘Was bereust du in deinem Leben?’ Je origineller und positiver die Antworten desto besser! Und nicht vergessen viele viele Fragen heraussuchen. Am besten lernt man die Fragen am Ende auswendig. Wird man im Interview viel gefragt mag man vielleicht erleichtert sein, alles zur eigenen Zufriedenheit beantwortet zu haben und “fertig zu sein, man sollte jedoch die “freiwillige Chance nicht verpassen zu zeigen dass man sich kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Am Ende sollte man sich in jedem Fall noch einmal bedanken, am besten beim direkten Supervisor (falls man den denn beim Bewerbungsgespräch überhaupt zu Gesicht bekommen hat). Eine kurze Email, im besten Fall noch mit einer Frage die einem nachher noch eingefallen ist. Wenn man darauf Antwort erhält, signalisiert das zumindest “So schlecht warst du nicht sonst würde ich meine Zeit nicht vergeuden um dir zu antworten”.

Meine eigene Erfahrung mit Bewerbungen war ein Bewerbungsgespräch pro 5 Bewerbungen, ich war bei 2 Bewerbungsgesprächen und habe beide Stellen angeboten bekommen. Bei Freunden war es ähnlich.